Der Westweg führt von Pforzheim nach Basel. Er ist der bekannteste der drei Hauptwanderwege durch den Schwarzwald und mit über 280 km (je nach Route) auch der längste. Wir haben uns entschieden, den gesamten Weg am Stück zu laufen und so oft es geht in Schutzhütten mit Biwaksäcken zu übernachten, um möglichst viel Zeit in der Natur zu verbringen. Pforzheim bis Schweizerkopfhütte hinter DobelSonntag, 28. Juli 2019 - Tag 1 31 km, Etappenende bei Kilometer 31 Die Tauziehveranstaltung vom Vortag noch in den Knochen, werden wir um 8.30 Uhr von unserer Chauffeurfamilie mit ihrem kompletten Fuhrpark abgeholt. (Vielen Dank dafür!) Die zwei Autos bieten genug Platz für vier Wanderer, fünf Kinder, eine Oma und eine psychologische Betreuungskraft. 😏 Gegen 9 Uhr starten wir mit ein paar Fotos an der „Goldenen Pforte“ in Pforzheim, dem ersten von elf erreichbaren Portalen auf unserer gewählten Strecke. Schon nach ein paar Kilometern verlassen uns ein Wanderer, fünf Kinder, eine Oma und die erwähnte psychologische Unterstützung, um an einem Spielplatz noch ein Picknick zu machen. Von jetzt ab sind wir erstmal zu dritt. Das Wetter ist prima, wir machen einen Kilometer nach dem anderen. Vor Neuenbürg wollen wir eigentlich die Höhenvariante laufen, bekommen aber von einer Anwohnerin den Tipp, dass es unten herum viel schöner ist. (Später werden uns alle sagen, wir hätten oben laufen sollen. 🤪) Auf dem Weg treffen wir noch zwei Mädels mit Pferden. Der sonst verschlossene Innenhof des Schlosses ist zufällig offen und wenig später geht unser Plan vom ersten Weizen im Restaurant voll auf. Frisch gestärkt führt uns der Weg wie im Reiseführer beschrieben „auf unangenehmen Pflastersteinen“ hinab nach Neuenbürg und weiter in Richtung Dobel. Die Sonne scheint noch immer und wir treffen einige Wanderer. Auf dem Wilhelm Ganzhorn Wanderweg (da Oli irgendwie überall Netz hat, hören wir nebenbei „Im schönsten Wiesengrunde“) kommen wir an der Schwanner Warte vorbei und erreichen Heuberg, den mit 709,1 m höchsten Punkt des Enzkreises, auch wenn das Schild es grammatikalisch anders beschreibt. Den Weg beim Naturdenkmal „Volzemer Stein“ zieren einige mehr oder weniger schöne Engelsfiguren und -bilder. Im Wald treffen wir einen Förster mit seiner Frau, der uns bittet, die beiden anderen Förster (eigentlich ein Förster und ein Forstmaschinenhändler) mit ihren Hunden zu grüßen, falls wir sie treffen. Kurz vor Dobel fängt es schließlich an zu regnen. Wir finden Zuflucht in der Linde, wo es Kässpätzle und Maultaschen mit viel leckerem Weizen gibt. Postkarten haben die dort auch. Bis aufs Wetter alles super soweit. Gegen 19 Uhr brechen wir wieder auf. Das Sonnentor Dobel liegt in freundlichem Nebel und Nieselregen. Wir lesen die Beschreibung des Ortes auf der Infotafel mehrfach laut vor: Die „Sonneninsel“ Dobel liegt auf einem (fast) nebelfreien Hochplateau. Ach egal, wir ziehen unsere Regenponchos über und haben trotzdem Spaß. Im vollen Nebel liegt der Wasserturm, den man eigentlich nur erahnen kann. Es wird 20 Uhr und wir haben noch nichts zum Schlafen klar gemacht. Als wir um 20:30 Uhr an der Hütte am Weithäusleplatz ankommen, empfangen uns die Hunde der beiden angekündigten Förster mit Gebell. Wir bekommen einen Schlafplatz angeboten, laufen aber weiter, da das Wetter immer ungemütlicher wird und wir ohnehin laut Plan noch zur Schweizerkopfhütte wollen. Uns wird bewusst, dass es „etwas ärgerlich“ wäre, falls die schon belegt ist. Zum Glück liegt die Hütte nur ca. 1,5 km entfernt und ist leer als wir eintreffen. Das Handy begrüßt uns mit „Herzlich Willkommen in Frankreich“. Fehlt nur der Wein. Die Bänke sind leider sehr schmal und durch die Bauweise über Eck fallen die Schlafplätze etwas beengt aus, aber wenigstens gibt es die beschriebenen Plexiglasfenster, so dass wir in der Nacht einigermaßen trocken bleiben. Wer nachts auf Klo muss, wird mit einem tollen Blick auf die Täler entschädigt, da es freundlicher Weise etwas aufklart. Schweizerkopfhütte bis Wegscheidhütte hinter ForbachMontag, 29. Juli 2019 - Tag 2, 24km, Etappenende bei Kilometer 55 Die Nacht ist kurz und spätestens um 6 Uhr für alle vorbei. Eine Maus hat bis zum Morgen sämtliche Essensreste der Vorgänger und, wie wir später herausfinden, auch einen halben Müsliriegel von Markus gefressen. Schnell werden die feuchten Sachen gepackt, aber Zeit für ein paar Fotos mit mehr als Nebel im Hintergrund ist noch. Unter der Hütte findet sich zufällig ein Geocache an.
Ein Hase bemerkt uns nicht und hoppelt immer weiter auf uns zu. Jetzt erstmal Strecke machen. Im Wald wird ordentlich Holz gesägt. An der Kreuzlehütte, die leider verschlossen und nicht bewirtschaftet ist, treffen wir die Förster, die sich wundern, wo wir übernachtet haben, weil zwei Jungs in der Hütte ihre Sachen trockneten, als sie heute Morgen vorbeigekommen sind. Wo kamen die denn her? Zur perfekten Zeit für ein zweites Frühstück oder erstes Weizen kommen wir in Kaltenbronn an und müssen feststellen, dass dort montags Ruhetag ist. Noch ahnen wir nicht, dass dies der Beginn eines Fluchs ist, den wir die nächsten Tage bis Basel nicht wieder loswerden. Also steil hoch zum Hohlohsee (981 m über NN) und nebenbei ein paar Blaubeeren essen. Auf dem Hohlohturm (Kaiser-Wilhelm-Turm) sind wir mit 1.012 Metern das erste Mal richtig hoch und können sehen, wie weit es noch wird. Am Pavillon des Latschigfelsens machen wir ebenfalls eine kurze Pause. Als wir nach Gausbach runter kommen, wird gerade das Hexenfest des Wochenendes abgebaut. Die Bierkühlschränke sind leider schon aus, aber man wirft für uns den Grill noch mal an und wir bekommen auch noch etwas kalten Sprudel. Vielen Dank! Frisch gestärkt kommen wir zum Murgtaltor Forbach, stempeln unsere Karten und machen die obligatorischen Fotos. Vom Weizen eines erfahrenen Westwegwanderführers angelockt, setzen wir uns am Bahnhof hin und trinken ebenfalls eins, als wäre es total normal, dass die Pizzeria dort geöffnet hat. Nebenan beim Netto wird noch ein bisschen Proviant gekauft. Dieser Laden ist übrigens einer der zwei Supermärkte, die von Pforzheim bis Basel direkt am Westweg liegen. Nach der historischen Holzbrücke über die Murg geht es nun einen steilen Anstieg hoch. Unterwegs liegen die Förster mit ihren Hunden im Gras und machen ein Päuschen. Das erhöht unsere Chancen auf die begehrte Wegscheidhütte, die wir uns für heute als Übernachtungsplatz rausgesucht haben. (Hier mal zur Erwähnung die hilfreiche Seite „Schutzhütten am Westweg“, die wir mit unseren Fotos aller auffindbaren Unterschlupfe gern ergänzt haben. Wir haben vor allem auch immer Fotos von innen gemacht, was die Frage der Übernachtungsmöglichkeit leichter machen soll.) Es geht immer noch bergauf, die Hütte ist nicht in Sicht. Wir hören Stimmen von hinten und schicken Oli schon mal vor, um die Hütte zu sichern. Die Jungs mit der roten Isomatte überholen das Wandererdrittel, welches so hohe Deiche nicht gewohnt ist, aber Oli und Markus haben die Wegscheidhütte schon bezogen. Sie ist toll! Es gibt einen Zwischenboden zum Schlafen, Tische und Bänke drinnen und draußen und sogar jede Menge Kleiderhaken. Wenn das Verbotsschild nicht wäre, könnte man sogar Grillen. Es stellt sich heraus, dass die Jungs mit der roten Isomatte die letzte Nacht ca. 20 Meter neben unserer Hütte im Gras geschlafen haben. Das Warum bleibt ein Rätsel, vermutlich ein erster Materialtest. Kurze Zeit später kommen die Förster und begutachten unsere tolle Hütte. Sie entschließen sich, noch weiter zu gehen und irgendwo an der Schwarzenbachtalsperre nach einer Hütte zu suchen. Wir bieten zur Entschädigung den guten Wein vom Netto an und genießen den Rest dann später zu dritt. Wegscheidhütte bis Darmstädter Hütte Dienstag, 30. Juli 2019 - Tag 3, 26km, Etappenende bei Kilometer 81, ca. 5 km nach dem Mummelsee (26 km) Die ruhige Nacht endet leider um 6.30 Uhr viel zu früh durch die Entdeckung der ersten Zecke. Sie ist zwar schnell entfernt, aber nun sind wir alle wach und brechen dann halt auf. Unser Müsliriegelfrühstück planen wir für die Schwarzenbachtalsperre, nicht wissend, dass da überhaupt nichts Tolles zum Sitzen und/oder Gucken kommt. Unsere Alternative wird ein großer Stein mit dem optimistischen Hinweis „Zweiseenblick“. Wir kommen in den Nationalpark Schwarzwald und sind gegen 10 Uhr an der Badener Höhe. Trotz Schmerzen an unterschiedlichsten Stellen wird natürlich auch dieser Turm bestiegen. Ein freundlicher Wanderer mit kompletter Fotoausrüstung im Gepäck, wirft sich spontan in den Dreck, um ein Foto von uns mit dem Turm zu machen. Vielen Dank für diesen Einsatz! Oben auf dem Turm ist es nett, sofern man stark genug ist, die schwere Tür zu öffnen. Das Naturfreundehaus hat erst ab 11.30 Uhr auf. Na gut, dann hier keinen Cappuccino, sondern nur frisches Wasser und ein WC, welches freundlicher Weise schon offen ist. Die nächste Möglichkeit hat Montag und Dienstag Ruhetag. Auf dem weiteren Weg kann man aber tolle Fotos von Schmetterlingen machen. Dann ein Lichtblick: Auf einem Schild am Ende des Waldes steht: „Hundshütte geöffnet“. Wir bekommen tatsächlich endlich etwas zu Essen. Zum Frühstücken ist es mittlerweile viel zu spät, daher gehen wir gleich zu Wurstsalat und Wilden Kartoffeln über. Dazu gibt es Cola, Weizen und Cola-Weizen, weil es so lustig passt. Wir sind total im Glück!
Weiter auf dem Weg geht es dann nach Unterstmatt, eigentlich einem Etappenziel, aber außer einem Restaurant ist da eigentlich nicht viel. Der Westweg ist wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Eine Umleitung gibt es nicht. Wir gehen den Skihang hoch und verlaufen uns ein bisschen im Wald. Der Weg ist aber bald wieder gefunden und am Wanderheim Ochsenstall nehmen wir schnell noch mal ein paar Elektrolyte zu uns. Da wir nicht wissen, was der Tag uns bringt, kaufen wir dort auch ein bisschen Käse als Proviant. Auf der Hornisgrinde ist es toll. Wir haben so Glück mit dem Wetter! Die Wolken sehen auf den Fotos super aus, verheißen für den weiteren Verlauf des Tages allerdings nichts allzu Gutes. Am Mummelsee finden wir eine kleine Touristenhochburg vor. Ein Gutes hat es: Man kann mal wieder Postkarten kaufen und zusätzlich kommt noch frisches Zwiebelbrot in den Rucksack. Es ist 17 Uhr, aber wir sind relativ entspannt, weil der Ex-Wanderführer in Forbach uns eine Hütte empfohlen hatte, die in annehmbarer Entfernung kommen soll und auch auf unserer Karte verzeichnet ist. Zuerst müssen wir aber noch seinen Tipp befolgen und im Seibels-Eckle einen „Stichpimbuli Bockforcelorum“ trinken. Nun aber weiter zur Hütte. Das Wetter wird schlechter. Keine Hütte in Sicht. Im Wald liegen diverse Bäume quer. Es fängt an zu regnen. Wo ist diese Hütte? Markus wird motzig, weil es gar nicht so leicht ist, mit vollem Rucksack über und unter den vielen Bäumen seinen Weg zu bahnen. Sogar Fotos von den akrobatischen Einlagen werden verboten. Es wird ernst, nass und matschig. Der gute Sonnenhut geht beim Überziehen des Regenponchos verloren. Noch immer keine Hütte in Sicht.
Wir finden schließlich Zuflucht in der Darmstädter Hütte und sind total froh über die Möglichkeit, die nassen Klamotten über Nacht wieder trocken zu bekommen. Die Förster mit ihren Hunden sind schon da und warten mit Wein auf uns. So ist`s Recht.
Wir duschen erstmal und trotz bereits geschlossener Küche können wir dann mit unserem weise eingekauften Proviant ein tolles Vesper für alle machen. Oli bekommt noch den Weg zum Weizennachschub erklärt und so ist der gemütliche Abend endgültig gerettet. Wir übernachten zu dritt im Sechserzimmer, welches sich natürlich ganz oben am Ende aller Treppen befindet. Als hätten wir nicht schon genug Muskelkater. Aber: Gejammert wird nicht! Darmstädter Hütte bis Lettstädter HütteMittwoch, 31. Juli 2019 - Tag 4, 27,2 km (24 km plus 3,2 km Umweg für das Kniebis-Portal), Etappenende bei Kilometer 105 Um 7.15 Uhr klingelt der Wecker. Frühstück gibt es ab 7.30 Uhr. Wir machen erstmal ein Foto von der Cappuccino-Maschine, dem Traum der letzten Tage. Das Frühstück ist der Hammer. Kik hat noch nie so hervorragendes Müsli gegessen. Die 33 Euro für diese Unterkunft haben sich absolut gelohnt. Gegen 9 Uhr brechen wir auf. Beim Ruhestein muss Oli nach Hause telefonieren und der Rest fährt so lange eine Runde mit einem Sessellift, der natürlich erst aufmacht, als wir schon unten sind. Also sechs Minuten noch mal hoch und sechs Minuten wieder runter. Gegenüber an der Skisprungschanze verlaufen wir uns kurz, aber auch hier kommen wir schnell zurück auf den rechten Weg, welcher uns zum Schliffkopf führt. Das Wetter meint es weiter gut mit uns. Der Weg ist abwechslungsreich und man hat schöne Aussichten. Das „Sporthotel Zuflucht“ hat heute geöffnet und tolles Essen in Form von Hüttenrigatoni und Kässpätzle. Genügend Weizen darf natürlich auch nicht fehlen. Irgendwann kommt „der Photograph“ von der Badener Höhe an. Er erzählt uns, dass sein Rucksack 21 Kilo wiegt. Da er aber seine Isomatte vergessen hat, schläft er jetzt auf seinen in Luftpolster verschweißten Essensvorräten. *brüll*
An der Alexanderschanze treffen wir just-in-time unser Versorgungsfahrzeug. Oli steigt aus familiären Gründen bis morgen aus. Wir tauschen unsere T-Shirts, nehmen noch ein bisschen Proviant auf und gehen zu zweit weiter. Da wir alle Portale auf dem Weg „mitnehmen“ wollen, machen wir den 3,2 km langen Abstecher zur „Heilklimapforte Freundenstadt-Kniebis“. Kann uns mal einer erklären, warum man ein Westweg-Tor soweit vom Westweg entfernt bauen muss? Es ist schon 17 Uhr. Wir machen uns auf Nachtlagersuche. Die Hildahütte ist auf den Hinweisschildern überall angeschrieben, entpuppt sich aber als winziges Hüttchen und außerdem ist der Photograph schon da. Leider treffen wir ihn hier zum letzten Mal, sonst hätten wir noch gefragt, ob man seine Fotos hinterher auch irgendwo bestaunen kann.
Aus dem Internet haben wir noch die Blitzhütte im Kopf. Die müsste als nächstes kommen und sah auf den Bildern perfekt aus. Wir laufen ewig und kommen zur Lettstädter Hütte. Die ist nicht annähernd so toll wie die erwartete und daher gehen wir abwechselnd ohne Gepäck noch mal von dort aus auf die Suche. Irgendwann geben wir auf und sind zufrieden mit dem was wir haben. Ein bisschen schade ist es aber schon. Wir essen noch ein wenig, versorgen die Blasen und flüchten dann vor den Mücken in unsere Biwaksäcke. Nachts fallen wir fast von den Bänken. Warum müssen die eigentlich immer so schmal gebaut sein, dass man nicht ordentlich darauf schlafen kann? Die Nacht wird kurz und ungemütlich. Lettstädter Hütte bis HasemannhütteDonnerstag, 1. August 2019 - Tag 5, 31km, ca. 6 km hinter Hausach (31 km), Etappenende bei Kilometer 136 Um 5 Uhr werden wilde Vermutungen ausgesprochen, dass unter der Bank ein schmatzender Igel sitzt. Dies kann mit einem Foto widerlegt werden und da wir schon mal wach sind, stehen wir bald auf und packen die Sachen zusammen. Das Licht ist toll so früh am Morgen. Der Julius Brunnen tropft leider nur noch sehr langsam vor sich hin und auch der nächste Brunnen am Freiersberger Tor tropft nur geringfügig schneller. Zur Abwechslung ist der Westwegstempel hier mal schräg eingebaut. Kann es denn so schwer sein? augenroll Im Wald ist wieder geschäftiges Treiben und wir müssen uns zwischen zwei großen Harvestern durchquetschen. Als Nächstes sollte das Jägerbrünnle kommen, aber dieses scheint gar nicht mehr zu existieren. Wir träumen wieder von der Cappuccinomaschine. Am Ende des Waldes stehen drei große Stühle. Die zehn Sekunden des Selbstauslösers werden nicht reichen, um uns beide rechtzeitig sitzend aufs Foto zu bekommen, also reicht auch, dass es einer trotz diverser Schmerzen schafft, da hoch zu kommen.
Der Harkhof ist in der Nähe. Da dies ein gängiges Etappenziel mit Matratzenlager ist, rechnen wir uns eine Chance auf Frühstück aus. Für Durchreisende ist das zwar etwas mager, aber immerhin gibt es Cappuccino und das dringend benötigte frische Wasser haben die auch. Der Weg führt uns nun wieder hoch, denn natürlich liegen solche Höfe immer in irgendeiner Senke, zu der man beschwerlich absteigen muss. An den Kühen vorbei geht es ab jetzt nur noch bergauf und bergab – hoch – runter – hoch – runter – hoch – noch höher – wieder runter – wieder hoch. Uff!
Am Hohenlochen gibt es eine Hütte, die heute leider nicht bewirtschaftet ist, aber einen netten Ausblick bietet. Außerdem wäre hier eine perfekte Unterkunft für uns, wenn es nicht erst Mittag wäre und wir noch einiges vor uns hätten. Die Spitzfelsenhütte hoch oben über und mit Blick auf Hausach wäre ebenfalls eine nette Übernachtungsstation, aber wir haben in Hausach noch eine Verabredung. Der steile Abstieg in die Stadt macht uns nach dem vielen Hoch und Runter richtig fertig. In der Apotheke kaufen wir erstmal Blasenpflaster nach. Ein paar Häuser bzw. eine Tankstelle weiter steht das Kinzigtaltor Hausach, wo wir just in time wieder auf unser Versorgungsmobil samt Oli stoßen. Schnell die verschwitzten T-Shirts tauschen, was sich eigentlich nach zehn Minuten Marsch in der Sonne auch schon wieder erledigt, aber man hat es wenigstens versucht. Auf das Wiedersehen trinken wir erstmal zusammen ein Weizen. Es ist mittlerweile 17 Uhr, aber wir sind relativ entspannt, da die für heute geplante Hütte Platz für einige Wanderer bietet und wir daher nicht noch rennen müssen. Das wäre bei der zurückliegenden Tortur sowieso nicht mehr drin. Da Oli noch total frisch ist, macht er einen kleinen Abstecher zum Laden um die Ecke und besorgt etwas Wein. Wir gehen schon mal vor, bergauf natürlich. Der Hausacher Bergsteig ist nichts für Weicheier und die erhoffte Hütte kommt und kommt nicht. Auf gefühlten 3.000 Metern kommen wir endlich oben an der Hasemannhütte an und treffen nur noch den Udo mit seinem Hund, da sein Försterkumpel Rolf verletzungsbedingt aufgeben musste. Außerdem kommen kurz danach noch Holger und Martijn aus den Niederlanden. Die Hütte ist wie erwartet geräumig und hat einen großen Dachboden. Zum Glück gibt es dort kein Licht, so dass man nicht so gut erkennt, wie es da aussieht. Wir richten uns oben ein und verbringen alle zusammen einen richtig netten Abend vor der Hütte, der von plötzlich auftretenden kleinen, schwarzen Käfern spontan beendet wird. Ungefähr zur gleichen Zeit kommen in der Dämmerung noch zwei weitere Wanderer an: Ein älterer Mann, der eigentlich kein Wort sagt, und ein Typ in Badeschlappen mit etwas merkwürdigen Lebensumständen. Hasemannhütte bis BrendFreitag, 2. August 2019 - Tag 6 26,5 km, Etappenende bei Kilometer 162,5 Das Frühstück fällt (mager) aus. Wir verewigen uns noch schnell im Hüttenbuch und gehen dann relativ früh, aber nach allen anderen los. Martijn fährt heute wieder nach Hause. In nicht allzu weiter Entfernung liegt die Büchereckhütte, welche zum Übernachten auch ideal gewesen wäre. Sowohl Huber- als auch der Karlstein werden auf dem weiteren Weg von uns erklommen. Direkt danach kommen wir zur „schönen Aussicht“, einem Restaurant, bei dem es für Wanderer kein Frühstück und generell Essen erst ab 12 Uhr gibt. Auch wenn man mehrfach nachfragt, ändert sich diese Aussage nicht. Udo hat es versucht. Der ist nämlich schon da und lädt uns spontan zu einem Weizen ein. Vielen Dank noch mal!
Die nächste Vesperstube hat seit 2018 für immer geschlossen. Das hat auch Holger schon herausgefunden, der dort auf einer Bank in der Sonne liegt. Gegen Mittag erreichen wir Schonach Wilhelmshöhe. Da dies für einige wieder ein Etappenziel ist, gibt es hier ein richtiges Restaurant, welches sogar geöffnet hat. Holger kommt auch noch und erzählt, dass er heute nach Hause fährt, weil ihm alles weh tut. Zum Abschluss macht er aber noch ein Foto von uns am Portal Nummer Acht (Danke!). Von dort aus wird der Weg wieder richtig schön und auch am Blindensee ist die Wanderung über den Bohlensteg bei dem Traumwetter einfach super. Gegen 17:30 Uhr erreichen wir die Donauquelle am Kolmenhof und machen spontan noch eine kurze Pause.
Am Günterfelsen vorbei erreichen wir gegen 18:30 Uhr das Naturfreundehaus in Brend, wo wir uns vorher noch schnell telefonisch angemeldet hatten. Da wir am späten Abend noch Verstärkung erwarten, scheint uns diese Übernachtungsmöglichkeit für heute ideal. Außerdem könnten wir auch mal wieder duschen. Wir bekommen natürlich wieder ein Zimmer ganz oben. Der ganze Stock hat nur eine Dusche, aber wir haben ja Zeit. Benni ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu uns unterwegs und soll um 21.15 Uhr in Escheck ankommen. Dann muss er noch ca. 2,5 km durch den Wald laufen. Kurz vor Küchenschluss besorgen wir noch ein bisschen Willkommensbier und spielen dann mit einer Gruppe von Lehrkräften ein Spiel mit einer Kugel auf Stäben. Benni kommt gegen 22 Uhr. Ab jetzt sind wir zu viert. Brend bis TitiseeSamstag, 3. August 2019 - Tag 7 39,5 km, (33,5 km, plus Suche in Titisee ca. 6 km), Etappenende bei Kilometer 196 In der Nacht ist es total warm, aber das Roto-Fenster lässt sich nur öffnen, wenn man groß genug ist. Die Jungs schnarchen um die Wette.
Frühstück gibt es ab 8 Uhr. Wenn man schon um 6 Uhr wach wird und nicht mal Netz hat, ärgert man sich ein bisschen über die verlorene Zeit, die man in der freien Natur nicht hätte, weil man dann einfach einpacken und losgehen würde. Vom Naturfreundehaus in Brend ist man ziemlich schnell am Brend-Turm. Der Weg führt uns danach am „Goldenen Raben“ vorbei, von dem uns zwei Wanderer gesagt haben, dass wir da unbedingt rein müssen. Wir befolgen diesen Rat gern, da das überschaubare Frühstück ohne Cappuccino auskommen musste. In dem Haus scheint die Zeit stillzustehen und wir dürfen am Stammtisch sitzen, umringt von einer Menge uriger Deko. Nach diesem kurzen Stopp kommen wir im Wald an ein paar netten Schnitzereien vorbei. Zur perfekten Mittagszeit erreichen wir die „Kalte Herberge“ und setzen vorher Benni noch von unserem Versorgungsfluch in Kenntnis. Das Schild „durchgehend warme Küche“ lässt uns aber aufatmen und wir freuen uns schon auf das erste Weizen des Tages. Unsere Gesichter entgleisen etwas, als wir das nächste Schild mit der Aufschrift „Geöffnet ab 15 Uhr“ sehen. So, wo ist die versteckte Kamera? Wir gehen etwas frustriert weiter. Über radikal abgeholzte Flächen und an einer Straße entlang kommen wir einer weiteren Einkehrmöglichkeit näher. Kik macht Witze über Ruhetage und sonstige widrige Umstände, aber Benni meint, sie soll nicht so pessimistisch sein. Am Berggasthaus Lachenhäusle angekommen schlägt allerdings die Realität zu. Das Restaurant hat offensichtlich schon seit längerem nicht mehr geöffnet. Viele Autofahrer halten an dem schön gelegenen Platz und können es genau wie wir nicht fassen. Kurzerhand machen wir ein Picknick mit ein bisschen Wurst und Käse. Schließlich finden wir doch noch ein geöffnetes Restaurant und auch wenn wir uns an den falschen Tisch setzen und damit den Unmut der Bedienung auf uns ziehen, bekommen wir hier etwas zu essen und gönnen uns noch ein Eis hinterher. Es ist schon Nachmittag und wir haben noch keinen Plan für unsere heutige Übernachtung. Die erste Möglichkeit hat eine nette Aussicht, aber ist noch etwas früh und reizt uns nicht wirklich. Die zweite Hütte ist genau wie die erste, nur dass hier die Aussicht fehlt. Das ist ja auch irgendwie doof. So richtig gemütlich wäre das zu viert nicht geworden. Wie wäre es denn, wenn wir noch bis Titisee laufen und da auf einen Campingplatz gehen? Hm, klingt machbar. Im Wald kommen wir an einem Naturfreundehaus vorbei, aber wir wollen nicht, dass Benni denkt, wir machen es immer so und er will ja sicher auch mal mit uns draußen schlafen. Gegen 19 Uhr erreichen wir Titisee und sind alle schon ziemlich fertig. Wir laufen durch die Stadt und finden irgendwann am Ortsausgang eine Hütte, deren Unterstand vorn für die Nacht gehen würde. Jetzt haben wir aber noch nichts gegessen. Also wieder zurück an den See. Samstags abends in der Touristenhochburg Titisee rechnen wir uns gute Chancen aus und finden auch ein Lokal direkt am See. Bei der Bestellung erfahren wir allerdings, dass die Küche gerade geschlossen wurde. Also weiter. Wir haben plötzlich alle Lust auf Pizza. Das Schild dort „Küche zu“ hätte für uns aber nicht noch die Übersetzung „closed“ gebraucht. Es gibt noch eine weitere Pizzeria, aber die ist so voll, dass es Essen nur noch zum Mitnehmen gibt und das scheint auch eher länger zu dauern. Mal wieder etwas frustriert erinnern wir uns an den Plan mit dem Campingplatz. Da wird es doch auch etwas zu essen geben. Also wieder die ganze Strecke zurück zum Ortsausgang, an der Hütte vorbei und immer immer weiter. Der Campingplatz scheint ewig weit weg zu sein.
Als wir endlich ankommen, steht ein Stuhl mit einem Schild am Eingang: „belegt – complet“. Das ist uns jetzt egal! Wir sind für heute fertig und bleiben hier. Oli bekommt den Auftrag, den Platzwart davon zu überzeugen. Der ist glücklicherweise nett und lässt uns irgendwo am Rand schlafen, dem einzigen ebenen und freien Plätzchen, welches es noch gibt. Am See ist heute ein kleines Seenachtsfest mit Liveband. Wir sind ein bisschen müde und das Bier vom Fass tut sein Übriges. Titisee bis FeldbergSonntag, 4. August 2019 - Tag 8 17 km, (14 km, plus Umweg wg. Naturfreundehaus ca. 3 km), Etappenende bei Kilometer 210 Wer nachts um 3 Uhr aufs Klo muss ist überrascht, wie ruhig ein voll belegter Campingplatz sein kann. Der Himmel ist sternenklar und das ist gut so. Morgens werden erstmal Fotos vom nebligen See gemacht, an den wir uns dann auch zum Frühstück setzen. In dem kleinen Kiosk kann man tolle Brötchen und Schoko-Croissants kaufen. Das feuchte bis nasse Schlafequipment wird eingepackt und wir machen uns auf, den Westweg wieder zu finden. Erstaunlicherweise geht es heute trotz des Gewaltmarschs von gestern wieder recht gut. Man sieht die Skisprungschanze von Hinterzarten und wir gehen Richtung Feldbergsee. Es gäbe noch eine Strecke obenrum, aber wir wollen ja zum Portal. Unterwegs fragt uns ein Schild, ob wir Durst haben. Äh, jaaa! Ein willkommenes Päuschen mit gekühlten Getränken erwartet uns. Wir möchten dem Erbauer und Unterhalter des „Milchhislis“ an dieser Stelle unseren außerordentlichen Dank aussprechen. Das ist so eine tolle Idee! Die Sonne scheint wie verrückt und gegen 13 Uhr erreichen wir den Raimartihof, nicht weit entfernt vom Feldsee. Hier lernen wir, was „Bibbeleskäs mit Brägele“ ist und ruhen uns ein bisschen aus. Der Feldsee ist recht nett, aber wir sind so viele Leute um uns herum einfach nicht mehr gewohnt. Die Jungs werden immer schneller beim Anstieg, Kik versucht auch ab und zu noch ein paar Fotos zu machen. Außerdem ist ihr dieser Deich mal wieder viel zu hoch. Am „Tor zum Höchsten“ auf 1.287 Metern diskutieren wir kurz den weiteren Tagesablauf. Es ist schon 15 Uhr und wir sind ja quasi noch nicht ganz oben. Eine erreichbare Hütte ist auf keiner unserer Karten verzeichnet. Oli ruft bei einer möglichen Unterkunft an und wird von dem unfreundlichen Mann am Telefon ausgelacht, weil seine Zimmer schließlich schon seit einem halben Jahr ausgebucht wären. Dann eben nicht. Wir erreichen den Feldberggipfel und gehen weiter zur Wetterstation. Benni steckt sein erster Tag noch etwas in den Knochen. Heute könnten wir auch mal früher irgendwo ankommen. Kurzerhand entschließen wir uns für das Naturfreundehaus am Feldberg. Auf Nachfrage am Telefon ist es dort überhaupt kein Problem, spontan ein Zimmer zu bekommen. Der Umweg hierfür übers Zastler Loch lässt uns allerdings vermuten, dass wir da heute runter und dann morgen wieder hoch müssen. Die Landschaft ist toll. Am Wegesrand sind Heidelbeeren ohne Ende. Man möchte anhalten und pflücken, aber irgendwie wäre ankommen und Weizen trinken auch eine Alternative. Gesagt – getan.
Die nassen Sachen werden zum Trocknen auf die Wiese gelegt und dann gibt es erstmal einen großen Topf Kartoffelsuppe extra für uns. Unser Zimmer ist mal nicht ganz oben, aber Dusche und Klo natürlich eine Treppe runter. Nach dem Duschen machen wir einen netten Spieleabend. Feldberg bis Richtstatthütte am StuhlskopfMontag, 5. August 2019 - Tag 9 28 km, ca. 3 km hinter dem Belchen (24 km plus Umleitung Wieden ca. 4 km) Etappenende bei Kilometer 234
Nach kurzem Frühstück brechen wir gegen 9 Uhr auf und versuchen den Westweg wiederzufinden. Wie befürchtet, müssen wir ganz runter und dann wieder hoch. Aber das Wetter ist ja gut und wir können uns zwischendurch noch mal auf einer sehr langen Bank aus einem Baumstamm ausruhen. In der Nähe der Biathlon-Anlage in Notschrei trinken wir gegen Mittag ein letztes Weizen zusammen und staunen über Bennis Wanderstiefel. Kaum hat man die mal 25 Jahre, schon gehen die Nähte auf. Oli und Benni verabschieden sich Richtung Schauinsland und treten heute die Heimreise mit dem Zug an. Wir wandern weiter Richtung Belchen. Kurz vor Wieden ist leider noch immer die Umleitung ausgeschildert, von der wir schon im Internet gelesen hatten. Wir hören zwar keinerlei Forstarbeiten, trauen uns aber auch nicht, einfach weiter zu gehen. Also müssen wir mal wieder ganz runter und dann wieder komplett hoch. Der Umweg war mit ca. 2,5 km angeben, uns kommt es aber eher doppelt so lang vor. Am Wiedener Eck ist ein Restaurant ausgeschildert, aber selbstverständlich hat das am Montag Ruhetag. Wir machen unsere Fotos beim Wiedener Eck Tor und wünschen uns eine Bank, auf der man wenigstens mal seinen schweren Rucksack abstellen könnte, ohne ihn zum Aufsetzen wieder komplett vom Boden hochheben zu müssen. Weiter geht es hoch zum Belchen auf 1.415 m, wo wir gegen 17.15 Uhr ankommen. Die Gondeln laufen noch, was uns auf ein ebenfalls geöffnetes Restaurant hoffen lässt. So richtig glücklich ist die Frau an der Theke nicht, als wir um diese Uhrzeit noch zwei Portionen Pommes bestellen, aber bis zum Geschäftsschluss um 18 Uhr kommen noch ein paar andere nach uns, so dass sich unser Schuldgefühl in Grenzen hält. Der Abstieg vom Belchen ist landschaftlich recht schön und laut Karte gibt es eine Hütte in erreichbarer Nähe. Das wäre auch gut so, denn bisher ist es reines Glück, dass wir heute so trocken geblieben sind. Wir vermuten schon, dass wir irgendwo was übersehen haben, als plötzlich in der Ferne doch noch ein rotes Dach auftaucht.
Die Richtstatthütte am Stuhlskopf ist leer und hat eine schöne Aussicht auf den fernen Rhein zu bieten. Soviel mal zum Positiven. Natürlich sind die Bänke mal wieder so schmal, dass man diesmal wirklich nicht drauf schlafen kann und wir unsere Isomatten kurzerhand in den Dreck legen. Zum Glück ist der Boden nur staubig und nicht auch noch matschig. Eine Blätterunterlage als Schmutzschutz erweist sich als relativ zweckmäßig, aber irgendwann gehen uns die großen Blätter aus. Nachts kommt das angesagte heftige Gewitter. Wir sind froh über unser stabiles Blechdach. Hätte es am Titisee so aus Kübeln geregnet, wäre das sicher kein Spaß gewesen. Mitten in der Nacht fährt in dem sehr abseits gelegenen Waldstück plötzlich ein Auto an unserer Hütte vorbei. Wir stellen noch Vermutungen darüber an, dass draußen vor dem Eingang gerade eine Menge Tiere sitzen und sich ärgern, weil wir ihre Zuflucht besetzen. Mit dieser lustigen Vorstellung im Kopf schlafen wir wieder ein und lassen Blitz und Donner vorüberziehen. Richtstatthütte bis BaselblickhütteDienstag, 6. August 2019 - Tag 10, 30,5 km, 5 km hinter Kandern (30,5 km) Etappenende bei Kilometer 264,5 Gegen 6.30 Uhr werden wir wach. Erstaunlicherweise regnet es schon nicht mehr, obwohl das ganz anders vorhergesagt war. Wir packen unser Zeug und gehen los. Heute steht „Wandern nach Kandern“ auf dem Programm. Der aufsteigende Nebel lässt uns immer wieder anhalten und Fotos machen. Auf einem kleinen Hügel am Weg steht eine Kapelle zum Gedenken an Pfarrer Strohmeyer, der dort am Ende des zweiten Weltkriegs ermordet wurde. Wir kommen an ein Restaurant, welches auf Frühstück hoffen lässt, aber der aufmerksame Leser ahnt es schon: Die haben dienstags Ruhetag. Der nun folgende Anstieg zum Blauen hoch ist anstrengend. Unterwegs ist eine Waldwirtschaft des Schwarzwaldvereins ausgeschildert, aber es gibt mal wieder eine Umleitung wegen Baumfällarbeiten, die uns geschickt um diese Einkehrmöglichkeit herumleitet. Weil es in dieser Region nahezu keine funktionierenden Brunnen mehr gibt und sonst ja alles zu ist, haben wir mittlerweile fast kein Wasser mehr und nur noch ein bisschen vertrocknetes Brot der letzten Tage.
Oben auf dem Blauen angekommen steigen wir erstmal auf den Turm, welcher mit 1.165 m angegeben ist. Man hat einen tollen Blick und kann in der Ferne schon Basel sehen. Das Restaurant hat hier glücklicherweise geöffnet und so gönnen wir uns zwei Stücke teuren Kuchen und dazu Cappuccino. Der weitere Weg führt an ein paar netten Schutzhütten vorbei und zwischen dem Gestrüpp am Rand rascheln überall Eidechsen. Gegen 15:30 Uhr erreichen wir Kandern. Wir haben so Lust auf eine Pizza und daher vorher extra noch die Suchmaschine befragt, ob es eine gibt, die offen hat. Voller Vorfreude gehen wir auf die Pizzeria an einem kleinen Platz voller Blumen zu und können es schon wieder nicht glauben. Entgegen der Internet-Info haben die nämlich heute … RUHETAG. Wir finden es mittlerweile eigentlich total komisch und gehen dann halt in die Dönerbude, die wir auf dem Weg hierher als Notlösung bezeichnet hatten. Der Dönerteller macht uns satt und müde, aber wir haben noch ein bisschen Strecke vor uns. Kurz vor dem Ortsausgang kommen wir an dem zweiten der beiden erwähnten Läden vorbei, die quasi direkt am Westweg liegen. Hier kaufen wir noch einmal überschaubaren Proviant, da wir ja eigentlich nicht mehr viel brauchen.
Nun geht es mal wieder bergauf, aber an tollen Felsen in der Wolfsschlucht vorbei. Obwohl Regen ab 16 Uhr angesagt ist, scheint die Sonne wie verrückt. Irgendwann sehen wir nicht weit entfernt einen Hof, der ein bisschen nach Wirtschaft aussieht. Natürlich haben die geschlossen und auch der Selbstbedienungsladen vor dem Haus hat zwar zwei riesige Kühlschränke, aber nichts zu trinken darin. Wir überreden einen Angestellten, der gerade auf dem Hof arbeitet, uns zwei Flaschen eiskalten Sprudel zu verkaufen. Damit rettet er uns noch einmal den Tag. So erfrischt kommen wir gegen 18:30 Uhr an der Baselblickhütte an. Das Schild sagt, dass es von hier aus nur noch 20 Kilometer bis Basel sind. Die Hütte ist super und wird sofort bezogen. Wenn man den Tisch im Inneren ordentlich putzt, sieht der wie ein Seziertisch aus und ist dankenswerterweise auch mal so breit, dass man drauf schlafen kann. Bald fängt es an zu regnen und wir legen uns hin. Wenn man nicht schlafen kann, fragt man sich, warum eine Kirchturmuhr unbedingt auch nachts läuten muss, aber so wissen wir, dass kurz nach Mitternacht irgendwo im Wald ein Schuss fiel. Wilde Vorstellungen von Jägern, die den Seziertisch für ihre erlegte Beute nutzen, lassen Kik nicht schlafen. Irgendwann später hören wir noch merkwürdige Geräusche von einer Gruppe Tiere im Wald, die sich offensichtlich unweit unserer Hütte unterhält. Markus meint das wären Rehe und leider kommen wir nicht auf die Idee, die Laute aufzunehmen. (Zuhause wird es dann eine ganze Weile dauern, bis wir herausfinden, dass es wohl ein paar Waldkäuze waren.) Baselblickhütte bis BaselMittwoch, 7. August 2019 - Tag 11 20,5 km Etappenende bei Kilometer 285
Der Wecker war auf 6 Uhr gestellt. So richtig gut haben wir beide nicht geschlafen, da es auch wieder viel zu warm gewesen ist. Generell hatten wir uns auf kältere Nächte eingestellt und so war unser Equipment auf diese Temperaturen einfach nicht ausgelegt. Es fängt kurz an zu regnen, hört aber wieder auf. Wir packen ein, essen unsere letzten Müsliriegel und laufen los.
Da das Wetter heute mies angesagt ist, ziehen wir gleich unsere Regenponchos über und sehen damit bei dem strahlenden Sonnenschein ziemlich dämlich aus. Der Westweg führt in Wollbach natürlich an keinem Bäcker vorbei und suchen wollen wir jetzt auch nicht noch. Nach ca. 5 km fängt es wie erwartet an zu regnen. An der Burg Rötteln vorbei, von der wir im Dauerregen nur ein kurzes Foto im Schutz des Ponchos machen, erreichen wir das letzte Portal in Lörrach. Auch hier und auf dem weiteren Weg fällt das Fotografieren leider etwas spärlicher aus, da es aus Eimern schüttet.
Zwischendurch hört es nur kurz auf zu regnen und wir sehen noch zwei Rehe auf einem Feld. Der Blick auf Basel verheißt nichts Gutes, ab jetzt bleibt es den Rest des Tages nicht mehr trocken. Fast übersehen wir die Landesgrenze, die von der deutschen Seite aus überhaupt nicht und wenn man sich zufällig zum richtigen Zeitpunkt umdreht, in der Schweiz nur mit einem kleinen Schild kenntlich gemacht ist.
Mit der guten Ausschilderung ist es vorbei. Der Reiseführer mit der genauen Wegbeschreibung ist im Rucksack unter Poncho und Regenschutz. Beim Nachschauen wird man noch nasser als vorher schon. Die spärlichen Schilder mit Hinweis auf den Bahnhof sind mit Zeitangaben versehen, wobei es uns so vorkommt, als wären die eher für Radfahrer. Im Dauerregen laufen wir einen endlos wirkenden Weg am Fluss „Wiese“ entlang. Ursprünglich war geplant, vielleicht noch eine Nacht in Basel zu bleiben, aber jetzt wollen wir einfach nur noch nach Hause. Es kommt die Frage auf, ob Bahnhöfe auch Ruhetage haben können oder es heute vielleicht Streiks in der Schweiz gibt, von denen wir noch nichts wissen. Ein Tierpark erscheint und wir erinnern uns an dessen Erwähnung auf dem Plan. Es wäre aber wohl zu viel verlangt, einen Hinweis auf den Westweg oder die Richtung zum Bahnhof anzubringen. Bei schönem Wetter könnte man jetzt noch ein paar Tiere angucken, aber im Dauerregen verliert die Anlage viel von ihrem Reiz. Irgendwann erreichen wir endlich unser unspektakuläres Ziel, den Badischen Bahnhof in Basel. Wie schön muss es sein, wenn man den Weg in die andere Richtung wandert und dann am Schluss durch die „Goldene Pforte“ in Pforzheim läuft (mit Abschlussweizen im Kupferhammer nebenan). Uns erwartet aber kein Portal, nur Regen und ein Schild am Eingang des Gebäudes, welches auf den Westweg hindeutet.
Die Frau an der Info sucht uns den nächsten Zug nach Hause raus. Wir zweifeln etwas an ihrer Wahl, da uns das Internet auch andere Möglichkeiten anbietet, aber da vertrauen wir jetzt mal drauf. Es bleibt noch eine Stunde Zeit. Am Automaten kaufen wir ein Baden-Württemberg-Ticket für zwei Personen. Mit 30 EUR ist das ein fairer Preis wie wir finden.
Der erste Zug nach Offenburg fährt um 12:48 Uhr los. Allerdings steht dieser in Freiburg ewig rum und wartet. Eine Durchsage klärt irgendwann auf: „Wegen polizeilicher Ermittlungen im Zug verzögert sich die Weiterfahrt.“ Na prima! Uns ist jetzt schon klar, dass wir alle Anschlusszüge verpassen werden. Wenigstens gibt es Netz, so dass man sich schon mal die neuen Abfahrtszeiten raussuchen kann. Die guten Wanderstiefel von Kik haben dem Dauerregen nicht standgehalten und sind leider komplett nass. Nun werden die Füße langsam kalt und verlangen nach anderen Socken. Wir haben zwar noch trockene dabei, aber wohlriechend sind die nicht. Egal, besser als zu frieren.
Die Fahrt geht weiter. Wieder eine Durchsage: „Weil wir so viel Verspätung haben, fährt dieser Zug heute nicht bis Offenburg, sondern nur bis Lahr.“ Das hat jetzt doch ein bisschen was von Ruhetag. Wir kommentieren mit einer Passage aus dem Song der Wise Guys „Senk ju for träveling wis Deutsche Bahn!“.
Also noch mal umsteigen. In Offenburg bekommen wir gerade noch so den Zug nach Karlsruhe und dort auch nur knapp den nach Pforzheim. Hier haben wir dann noch mal einen längeren Aufenthalt und kaufen erstmal Milchshakes und Burger. Diese Möglichkeit hätten wir uns auch für die Wanderung mal irgendwo gewünscht.
Um kurz vor 18 Uhr werden wir schließlich an unserem Zielbahnhof abgeholt (Danke Moni!). Wenig später sind wir wieder zuhause und das ist für heute gut so. Jetzt erstmal baden, die knapp 4.000 Fotos auf dem Rechner sichern und einen fetten Cappuccino trinken, den wir uns nach diesem Tag wirklich verdient haben.
Schon ein paar Tage später sind die Schmerzen und Entbehrungen der insgesamt dann doch über 300 Kilometer langen Wanderung vergessen und wir würden am liebsten gleich wieder los, um den Ost- oder Mittelweg zu laufen. Leider müssen wir das aber erstmal auf unbestimmte Zeit verschieben. |